20. Januar 2017

Interaction Room

Softwareentwicklern stehen heute in Projekten ein breites Spektrum an Notationen und Werkzeugen zur Verfügung, die sie bei konstruktiven und organisatorischen Arbeiten unterstützen. Trotzdem scheitern viele Entwicklungsprojekte an den zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen oder verfehlen notwendige Qualitätsanforderungen. Manche müssen sogar vorzeitig abgebrochen werden. In den meisten Fällen sind Mängel in der Kommunikation und Koordination im Softwareprozess der Hauptgrund für das Scheitern.

Um ein komplexes Softwareprojekt mit all seinen Modellfacetten, seinen Abhängigkeiten, seiner Systemumgebung und seinen Entwicklungsfortschritten möglichst intuitiv greifbar zu machen, haben wir an unserem Lehrstuhl die Methode des Interaction Rooms, einem physisch begehbaren Raum, dessen Wände mit großen Whiteboards und Pinnwänden ausgestattet sind, entwickelt. Ziel des Interaction Rooms ist es, durch pragmatische Modellierung in Kundenworkshops, ein gemeinsames Verständnis unter allen Beteiligten eines IT-Projektes zu erzeugen, um so zu einem gemeinsamen Ergebnis zu gelangen. Besonders IT-ferne Stakeholder werden, durch den Verzicht auf formale Notationen und lernintensive Werkzeuge, zur aktiven Teilnahme ermutigt.
Das hohe Abstraktionsniveau und die informale Syntax garantieren hierbei die Konzentration auf den Inhalt. Der Fokus wird auf die wichtigen Aspekte gelegt, indem durch eine intuitive Visualisierungsmethodik Aufwände, Werte, Risiken und Unsicherheiten identifiziert werden. Unmittelbares Resultat ist eine Verschiebung der Aufmerksamkeit von trivialen, gut verstandenen Aspekten zu den wesentlichen Herausforderungen des Projekts und das Schaffen eines gemeinsamen Problemverständnisses, auch über die Herausforderungen des eigenen Arbeitsbereichs hinaus. Die dadurch entstehende Rundumsicht auf das Projekt hilft dabei, Zusammenhänge und Abhängigkeiten schnell identifizieren und diskutieren zu können. Die skizzenhafte Darstellung der Modelle betont die Veränderlichkeit und Unsicherheit der Modelle und fördert innovative Lösungen.

Zur Veranschaulichung und Dokumentation von Wert- und Aufwandstreiben, also Aspekten, von denen besonderer Nutzen erwartet wird oder die besondere Risiken darstellen können, stellen wir eine Palette grafischer Annotationen vor, die in die Modelle im Interaction Room geheftet werden können. Wir zeigen, wie durch die Diskussion über diese Annotationen Unsicherheiten und Risiken identifiziert und dazu Lösungsstrategien, Aufwandsschätzungen, etc. entwickelt werden können. Auf Basis der Annotation der Modelle durch die Stakeholder lassen sich Metriken ableiten, die zur Risikobeurteilung und zur Projektsteuerung genutzt werden können.

 

Ansprechpartner:
Simon Grapenthin